
Seitdem ich meinen Hund habe, bin ich einigen Facebook-Hundegruppen beigetreten, ein paar davon zählen über 20.000 Mitglieder. Jeden Tag gibt es dort heiß diskutierte Themen und solche, die mich zum Lachen bringen.
Aber es gibt auch ein Thema, bei dem ich immer sehr traurig werde und manchmal sogar ein paar Tränen kullern: Wenn wieder einmal ein treuer Begleiter und Seelenhund seine letzte Reise antritt und über die Regenbogenbrücke geht.
Über die Jahre habe ich beobachtet, dass die Menschen ihren Verlust sehr unterschiedlich beschreiben. Manche mit sehr wenigen Worten, die trotzdem alles sagen, und manche mit sehr vielen berührenden Details. Allen Beiträgen gemeinsam sind ein oder mehrere Bilder des Freundes, die die besonders schönen Momente einfangen.

Mein Gassi-Partner sagte kürzlich, selbst wenn er einen Facebook-Account hätte, würde er niemals in der Öffentlichkeit mitteilen, dass seine Hündin verstorben sei. Ich denke etwas anders darüber, denn irgendwie helfen mir die Abschiedsworte der anderen Mitglieder dabei, mich ein klitzekleines bisschen auf diesen einen Tag, vor dem mir so sehr graut, vorzubereiten.
Oft versuche ich tröstende Worte unter den Post der Trauernden zu schreiben, etwas mehr als „Mein herzliches Beileid.“ und das Regenbogen-Emoji. Dabei frage ich mich oft, ob mich selbst meine Worte trösten könnten, wenn es mal so weit ist.
Ein Regenbogen ist ein wunderschönes, fast magisches Naturphänomen. Der Gedanke, dass unser Hund über eine so tolle Brücke in den Himmel geht und dort oben auf seine vorausgegangenen Freunde trifft, ist tröstlich. Dass wir uns dort oben irgendwann wiedersehen bedeutet, dass unsere gemeinsame Geschichte noch nicht zu Ende ist. Ja, dieses Bild gefällt mir.
Aber ein anderes Bild gefällt mir noch besser: der neue Stern am Himmel.
In der Schule haben wir damals „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry gelesen. Als sich in dieser Geschichte der kleine Prinz von seinem irdischen Freund verabschiedet, weil er weiß, dass er sterben wird, sagt er tröstend „Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!“.

Wie wundervoll ist die Vorstellung, dass mein verstorbener Hund als neuer Stern vom Himmel auf mich herabschaut, vielleicht sogar auf mich aufpasst. Um ihn herum all die anderen Sterne, die auf ihre Menschen achtgeben. Und ich wünsche mir, dass ich später einmal die Kraft habe und den Mut finde, zum Himmel hinaufzuschauen und zu lachen, in Erinnerung an die unzähligen tollen Momente und die vielen verrückten Geschichten.
Vor einem guten Jahr ist die beste Freundin meines Hundes über die Regenbogenbrücke gegangen. Wie immer viel zu früh und wie so oft auch völlig unerwartet. Ich habe sehr viel geweint. Und ein Jahr später habe ich einen Stern gekauft und ihr gewidmet. Diese Geschäftsidee ist etwas fragwürdig, das ist klar. Aber es hat mir als zeremonieller Akt Trost gespendet.
Mein Dicker – so nenne ich ihn liebevoll – wird bald neun. Jeden Tag ist spürbar, dass er bei 35 kg kein Jungspund mehr ist, sondern schon ein gestandener Senior. Früher konnten wir stundenlang wandern. Heute schaut er mich nach 20 Minuten oftmals an und fragt, ob wir nicht langsam zurückgehen wollen. Und je älter er wird, desto mehr berühren mich die Regenbogen-Beiträge bei Facebook.
Werde ich seine letzte Reise dort teilen?
Werde ich Trost in den Kommentaren der Anteilnehmenden finden?
Wie wird sich mein Leben verändern, wenn er nicht mehr da ist?
Werde ich einen weiteren Stern kaufen?
Werde ich in den Himmel schauen und lachen?
Ist er wirklich nur vorausgegangen?

Die Antworten kenne ich noch nicht. Aber eines weiß ich heute schon: Der Tod unseres Gefährten ist für uns ein schmerzlicher Einschnitt, der eine Leere hinterlässt. Aus der Perspektive des Hundes, der bis zum letzten Atemzug geliebt und begleitet wurde, war das Leben vollkommen – ein tröstlicher Perspektivwechsel.
Mit diesen Gedanken traue ich mir zu, irgendwann an ihn zu denken und dabei zu lächeln.

