Mastzelltumor beim Hund: Was Sie jetzt wissen müssen

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Die Diagnose Mastzelltumor trifft viele Hundebesitzer unvorbereitet. Ein zunächst harmlos erscheinender kleiner Knoten kann plötzlich zur größten Sorge werden. Was bedeutet der Befund? Wie gefährlich ist er? Und was kommt jetzt auf Sie und Ihren Hund zu? Dieser Artikel gibt Antworten auf Fragen, die sich Hundebesitzer wie ich in dieser Situation gewünscht hätten.

Eine persönliche Geschichte – und warum sie anderen Mut machen kann

Es war ein normaler Nachmittag vor drei Jahren, an dem ich mit meiner Labradorhündin Sunny auf der Couch lag. Ich streichelte sie am Kopf und fühlte auf einmal etwas Hartes. Ich schaute es mir genauer an und erkannte sofort einen Knoten. Kurz darauf einen weiteren am Bauch. Ich hielt es zunächst für harmlos, erzählte aber meiner Mutter davon. Sie reagierte völlig richtig und meinte, wir sollten umgehend zum Tierarzt. Eine Biopsie später bestätigt sich der Verdacht: ein gutartiger Mastzelltumor.

Der Arzt erklärte, dass eine Entfernung möglich wäre, aber aufgrund ihres Alters von zehn Jahren ein gewisses Risiko bestand. Da Sunnys Befunde günstig wirkten, entschieden wir uns für die OP. Sie verlief ohne Probleme. Sunny kam wenige Stunden später nach Hause, noch etwas torkelig auf den Beinen, aber sie wedelte schon wieder mit dem Schwanz. Als wäre alles wie immer. Ab da wurde es zur Routine, einmal jährlich kleine Knötchen entfernen zu lassen – zum Glück immer gutartige. Sunny erholte sich jedes Mal schnell von dem Eingriff.

Inzwischen ist Sunny fast 14 Jahre alt. Ein Alter, das man bei einem Labrador nicht unbedingt erwartet. Seit etwa anderthalb Jahren wächst ein riesiger Tumor an ihrem rechten Hinterbein und ein weiterer im Ohr. Vermutlich beide Metastasen der zuvor entfernten Knoten. Eine weitere Operation kommt aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und der damit verbundenen Belastung durch die Narkose nicht mehr infrage. Trotzdem meistert sie die Umstände gut und lebt ihr Leben weiter. Sie frisst, sie läuft – manchmal mehr, manchmal weniger gerne – und genießt die Sonne im Garten. Gelegentlich spielen wir mit dem Ball, dabei verhält sie sich häufig so wie damals als Welpe. An manchen Tagen wirkt sie schwächer, an anderen ist sie wieder ganz die alte Sunny.

Sunnys Weg zeigt nur einen von vielen möglichen Verläufen. Er macht deutlich, wie unterschiedlich Mastzelltumoren sich entwickeln können. Als Hundebesitzer ist es zunächst wichtig zu wissen, welche Anzeichen wirklich relevant sind und wann ein Tierarztbesuch unumgänglich wird.

Was ist ein Mastzelltumor?

Mastzellen sind Immunzellen, die bei körpereigenen Prozessen wie der Wundheilung und allergischen Reaktionen eine wichtige Rolle spielen. Doch wie jede Zelle im Körper können auch sie entarten – in diesem Fall zu Mastzelltumoren. Sie zählen zu den häufigsten Hauttumoren bei Hunden und variieren optisch stark. Deshalb werden sie auch als das „Chamäleon der Hauttumoren“ bezeichnet. Das Schwierige daran ist, dass man von außen nicht erkennt, ob ein Knoten harmlos oder bedenklich ist. Deshalb gilt die Regel: Jede neu auftretende Hautveränderung sollte tierärztlich abgeklärt werden.

Wie gefährlich ist ein Mastzelltumor?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Das hängt vor allem davon ab, wie aggressiv der Tumor ist und ob er bereits gestreut hat. Tierärzte unterscheiden zwischen gut differenzierten (low‑grade) und schlecht differenzierten (high‑grade) Tumoren. Low‑grade Tumore wachsen meist langsam und metastasieren selten. High‑grade Tumore verhalten sich deutlich aggressiver und können schnell in andere Organe übergehen.

Auch die Lokalisation des Tumors spielt eine Rolle: Mastzelltumoren an Schleimhäuten oder an sensiblen Körperstellen wie dem Hodensack oder den Pfoten sind schwerer zu entfernen und gelten daher als besonders kritisch. Neben dem Tumorgrad ist auch das Tumorstadium entscheidend: Wie groß ist der Tumor? Sind die Lymphknoten befallen? Gibt es Hinweise auf Metastasen? Erst die Gesamtbetrachtung ergibt ein klares Bild.

Statistisch gesehen leben viele Hunde mit einem low‑grade Mastzelltumor noch deutlich über zwei Jahre weiter. Oft sogar länger, wenn der Tumor vollständig entfernt werden kann. High‑grade Tumore verkürzen die Lebenserwartung. Hier können moderne Therapien wertvolle Zeit schenken. Ein Mastzelltumor ist deshalb kein sofortiges Todesurteil, auch wenn die Diagnose zunächst erschreckend klingt.

Typische Anzeichen, die Hundebesitzer kennen sollten

Die Hautgeschwulste zeigen sich in Form von Knötchen oder größeren Knoten sowie als erhabene Flecken. Beim Abtasten können sie sich weich bis derb-knotig anfühlen. Zudem können Rötung, Juckreiz und Quaddeln auftreten. In circa 10% aller Fälle finden sich schon zu Beginn mehrere Mastzelltumoren in unmittelbarer Nähe, das heißt, der Tumor ist über die Lymphgefäße gewandert. Häufig betroffene Regionen sind Gliedmaßen, Kopf, Rumpf, Damm und Geschlechtsorgane. Auch innere Organe wie Milz, Leber und Knochenmark können betroffen sein. Begleitend zu den Hautveränderungen können Symptome auftreten, die sich äußern in:

  • Schmerzen
  • Durchblutungsstörungen
  • Allergische Reaktion bis hin zum lebensbedrohlichen Schock
  • Magen- und Darmgeschwüre
  • Brechreiz, Appetitverlust
  • Innere Blutungen
  • Wundheilungsstörungen
  • Rastlosigkeit, Allgemeines Unwohlsein

Symptome im späten Stadium sind:

  • Wasser- und Futterverweigerung bis hin zum Gewichtsverlust
  • Niedergeschlagenheit bis Apathie
  • Fieber
  • Chronischer Schmerz
  • Erbrechen
  • Wesensveränderung
  • Orientierungsverlust, Eingeschränkte Beweglichkeit

Wie unterschiedlich die Tumore aussehen können, zeigen die folgenden Bilder:

Mastzelltumor bei Hunden
Mastzelltumor im Ohr eines Labradors
Mastzelltumor bei Hunden
Mastzelltumor am Bein einer Labradorhündin

Diagnose Mastzelltumor: Was passiert jetzt mit meinem Hund?

Der Tierarzt führt als Erstes die Anamnese durch: Wie ist der Allgemeinzustand Ihres Hundes? Seit wann ist der Knoten da? Im Anschluss erfolgt das Abtasten der betroffenen Stelle. Liegt der Verdacht auf einen Hauttumor nahe, führt der Veterinär eine Feinnadelaspiration durch. Dabei werden Zellen aus dem verdächtigen Knoten entnommen und für eine Untersuchung ins Labor geschickt. Das Ergebnis der Probe liegt normalerweise innerhalb weniger Tage vor. Wird ein Mastzelltumor nachgewiesen, folgt im nächsten Schritt die histologische Einteilung von Tumorgrad und Stadium.

Viele Hundebesitzer fühlen sich nach der Diagnose wie gelähmt. In vielen Fällen besteht aber eine gute Chance auf Behandlung oder sogar Heilung. Um zu verstehen, wie die Behandlung abläuft, hilft ein Blick auf die wichtigsten Therapiemöglichkeiten.

So wird ein Mastzelltumor behandelt – von OP bis Medikamente

Welche Behandlung infrage kommt, ist abhängig von Tumorstadium und -grad, sowie der Lokalisation. Prinzipiell gibt es vier mögliche Therapieoptionen:

  • chirurgische Entfernung
  • Bestrahlung
  • Chemotherapie
  • Medikamente wie Tyrosinkinase-Inhibitoren

Die Therapie der ersten Wahl ist die chirurgische Entfernung. Begleitend kann Bestrahlung oder Chemotherapie sinnvoll sein, besonders wenn der Tumor anatomisch schwer zugänglich ist. Gerade an Gliedmaßen ist eine Operation nicht immer möglich und würde einen Verlust von Sehnen, Gefäßen und Nerven bedeuten. Als letzte Option bleibt dann nur die Amputation. Grundsätzlich gilt: Das Entfernen der Geschwulste sollte so früh wie möglich erfolgen.

Die Strahlentherapie wird vor allem bei nicht (vollständig) entfernbaren Mastzelltumoren als Begleittherapie eingesetzt und gilt dabei als Mittel der Wahl. Mastzellen sind sehr empfindlich gegenüber ionisierender Strahlung.  

Chemotherapie: Eine Chemotherapie ist dann angezeigt, wenn sich der Tumor bereits im Körper verbreitet hat oder wenn keine Operation oder Bestrahlung möglich ist.

Tyrosinkinase-Inhibitoren: Wenn Ihr Hund an einem inoperablen Tumor leidet, kann zunächst eine Behandlung mit Tyrosinkinase-Inhibitoren versucht werden. Nebenwirkungen dieser Medikamente umfassen Durchfall, Erbrechen, verminderter Appetit, Gewichtsabnahme und Müdigkeit.

Leidet ihr Hund besonders unter den Symptomen des Krebses, kann Ihr Tierarzt zudem Medikamente wie Magensäureblocker verabreichen. Sie beugen schmerzhaften Magengeschwüren vor und verbessern die Lebensqualität.

Was kostet die Behandlung eines Mastzelltumors?

Viele Hundebesitzer fragen sich zu Recht, welche Kosten für die Therapie auf sie zukommen wird. Die Spannbreite ist groß und hängt von vielen Faktoren ab. Eine grobe Übersicht der Kosten zeigt die folgende Tabelle:

LeistungKosten (ca.)
Allgemeine Untersuchung & Beratung50 €
Blutbild & Labordiagnostik130 €
Chirurgische Entfernung des Tumors1500 €
Narkose250 €
Medikamente für nach der Op.175 €
Nachsorgetermine & Verbandswechsel68 €
Quelle: Preise für eine Labradorhündin nach eigener Erfahrung

Hinzu kommen außerdem Aspekte wie der Umfang der Op. Wenn Ihr Hund bereits mehrere Tumoren hat, verlängert sich die Dauer des Eingriffs. Bei komplizierteren Operationen kann auch ein stationärer Aufenthalt fällig werden, der zusätzliche Gebühren abverlangt. Insgesamt können die Kosten schnell zwischen 2500 und 8000€ erreichen.

Es ist ratsam, bereits wenn Sie sich einen Hund zulegen, eine Op.- und Krankenversicherung für solche Fälle abzuschließen. Falls Sie das nicht möchten, ist es ratsam, monatlich einen kleinen Betrag für Ihren Vierbeiner zur Seite zu legen und im Falle von Krankheit darauf zurückgreifen zu können.

Leben nach der Diagnose: Alltag und Nachsorge

Die Prognose wird von vielen Faktoren beeinflusst:  Alter und Rasse des Hundes, Lokalisation, Tumorgrad, wie schnell sich die Tumorzellen teilen et cetera. Hunde mit low-grade Mastzelltumoren oder ohne Allgemeinsymptome haben das größte Potenzial auf eine Heilung. Außerdem gilt: Je jünger der Hund, desto besser die Überlebenschancen. Die Überlebenszeit ist stark an die Therapie gekoppelt.  

Bei mittlerem Grad können Hunde nach der Operation noch bis zu mehr als zwei Jahre leben, wohingegen bei high-grade Tumoren häufig Rezidive auftreten und die Prognose mit am schlechtesten ist. Eine kombinierte Therapie aus Operation und Bestrahlung/Chemotherapie steigert die Überlebenszeit für high-grade Tumoren ungemein.

Weiterhin kann eine Futterumstellung das Wohlbefinden und die Lebenserwartung Ihres Hundes unterstützen. Da ein Hund im Zuge der Tumorerkrankung häufig an Gewicht verliert, sollte das Hauptfutter hochkalorisch sein mit Fokus auf Fetten. Tumore beeinflussen den Energiestoffwechsel des Körpers, weshalb eine kohlenhydratreduzierte Ernährung empfohlen wird. Grund hierfür ist, dass die Hauptenergiequelle von Tumorzellen Kohlenhydrate sind. Nehmen die Hunde diesen Makronährstoff in verringerter Menge zu sich, können die Tumorzellen entsprechend „ausgehungert“ werden. Durch die fettreiche Ernährung erhält der Hund dennoch ausreichend Energie und ist im Kampf gegen den Krebs gestärkter. Außerdem eignen sich stärkende Präparate für die Darmtätigkeit und das Immunsystem, da eine Chemo Ihren Hund schwächen kann.

Ursachen und Risikofaktoren für Mastzelltumoren

Es gibt einige Hunderassen, bei denen vermehrt Mastzelltumoren auftreten. Das sind unter anderem:

  • Boxer, Bulldoggen und andere kurzköpfige Rassen
  • Rhodesian Ridgeback
  • Labrador und Golden Retriever
  • Weimaraner Beagle
  • Irish Setter
  • Dackel
  • Berner Sennenhund

Das Geschlecht Ihres Hundes spielt keine Rolle, dafür aber das Alter. Im Schnitt treten diese Tumore bei einem Alter von acht Jahren auf, kann manchmal jedoch auch sehr junge Hunde betreffen. Diskutierte Ursachen sind neben genetischen Faktoren auch chronische Hautentzündungen und Umwelteinflüsse wie Luftschadstoffe oder UV-Strahlung.

Ein Mastzelltumor ist eine ernsthafte Diagnose, aber keine, die Ihnen Hoffnung nehmen sollte. Mit schneller Abklärung, einer fundierten Therapieentscheidung und der richtigen Unterstützung können viele Hunde noch lange ein erfülltes Leben führen.

Autor / AutorinCeline Becker