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Fotowettbewerbsieger Amigo und seine „Listenhund-Geschichte“

2010 habe ich begonnen ehrenamtlich im Tierheim zu arbeiten. Nach einer kurzen „Ausbildung“ wurde ich Mitglied der Staff-Gruppe im Bochumer Tierheim, die sich überwiegend um Listenhunden, aber auch um Problemhunde kümmert.

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Außerhalb des Zwingers benahm sich Amigo ganz anders und eroberte das Herz seiner jetzigen Besitzerin im Sturm.

Nachdem ich dort ein Jahr mit verschiedenen Listenhund en gearbeitet habe und immer wieder mit Vorurteilen konfrontiert wurde, wurde mir klar, dass viele Menschen nur das Bild der sogenannten Kampfhunde aus den Medien kennen. Ich habe in dieser Zeit sehr den ein oder anderen Listenhund kennengelernt, die trotz ihrer teils furchtbaren Vergangenheit durchweg freundlich zu Menschen waren.
Im Januar 2011 kam Amigo ins Bochumer Tierheim. Amigo ist ein 2009 geborener American Staffordshire Terrier und saß vorher schon 1 Jahr im Berliner Tierheim, in das er als 12 Monate alter Junghund kam. Dort zeigte er sich sehr zurückhaltend und ängstlich. Da gerade diese Rasse in Berlin sehr schlechte Vermittlungschancen hat, es gibt dort einfach zu viele Listenhund, werden regelmäßig Hunde in das Bochumer Tierheim überführt, wo sie in den meisten Fällen schnell ein neues Zuhause finden. Bei Amigo war das nicht der Fall. Er zeigte sich schwierig im Zwinger, war ängstlich und knurrte. Wenn er erst einmal vertrauen gefasst hatte, war er sehr frech. Nun was kann man erwarten von einem zweijährigen unerzogenem Hund mit Terrierdickkopf und nicht genügend Auslastung?
Wenn man in den Zwinger kam sprang er bis zur Decke und erwischte in seinem Übermut auch schon einmal einen Ärmel oder ein Hosenbein.
Am Anfang war es sehr schwierig mit ihm in der tierheimeigenen Hundeschule zu arbeiten, da er sich kaum konzentrieren konnte und dies auch nie gelernt hatte.
Nach einiger Zeit wurde Amigo ruhiger und entwickelte sich zum Streber. Alles wollte er perfekt machen. Mit anderen Hunden verstand er sich von Anfang an sehr gut. Wir sind immer in der Gruppe spazieren gegangen, denn auch im Tierheim darf der Sozialkontakt zu anderen Hunden nicht zu kurz kommen.

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Amigo mit seiner später hinzuadoptieren Spielgefährtin Pina.

Das Wichtigste war jedoch Amigo auf eine Vermittlung vorzubereiten. Deshalb nahmen mein Freund und ich ihn öfters übers Wochenende mit nach Hause, um zu testen wie er sich in der Wohnung verhält. Ist er stubenrein? Verteidigt er sein Körbchen? Kann er alleine bleiben? Und vor allem: Akzeptiert er Grenzen?
Dies alles war kein Problem. Amigo benahm sich vorbildlich und zeigte sich komplett anders als im Zwinger. Das führte dazu, dass wir begannen darüber nachzudenken ihn für immer zu behalten.
Amigo saß nun seit 2 Jahren im Bochumer Tierheim. Es hatten sich noch keine passenden Interessenten gemeldet.
Als wir dann in eine gemeinsame Wohnung zogen und sich herausstellte das Amigo wunderbar alleine bleiben kann, entschlossen wir uns, ihn zu adoptieren. Da wir ihn beide schon sehr gut kannten und auch wussten wie er sich in der Wohnung verhält war der Übergang fließend.
Nach ein paar Wochen bestand Amigo die Maulkorbbefreiung. Nichtdestotrotz besuchen wir mit ihm weiterhin die Hundeschule, vor allem, weil es ihm so viel Spaß macht.
Bis jetzt haben wir aufgrund seiner Rasse noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Natürlich gibt es immer mal wieder ein paar unbelehrbare Ausnahmen. Grundsätzlich werden wir überall freundlich aufgenommen und haben auch im Urlaub bei der Hotel- oder Wohnungssuche keine Probleme.

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Veranstaltungen mit über 350 anderen Hunden und vielen Menschen nimmt Amigo als gute Gelegenheit war, ein Mittagsschläfchen zu halten.

Im August 2014 beschlossen wir einem zweitem Hund ein Zuhause zu geben und so kam Pina zu uns, eine 1 1/2 jährige Boxermix-Hündin, die durch eine Sicherstellung des Ordnungsamtes ins Tierheim kam.
Wir kämpfen aktiv gegen die Rasseliste und nehmen regelmäßig am Sokarun und ähnlichen Veranstaltungen teil. Dies ist aufgrund von Amigos ruhigem Gemüt gar kein Problem. Selbst mit ca. 350 Menschen und Hunden um ihn rum bleibt er cool und hält lieber sein Mittagsschläfchen (siehe Foto). Wir sind sehr stolz auf unseren kleinen Streber und hoffen noch vielen Menschen zeigen zu können, dass auch Listenhunde nur ganz normale Hunde sind.
Vorurteile einer bestimmten Rasse gegnüber sind oft einfach nur Unwissenheit und haben ihren Ursprung in medialer Hetze. Unserer Erfahrung nach ändern Menschen schnell ihre Meinung, wenn sie erst einmal einen Listenhund kennengelernt haben, denn dann hört man oft den Satz: „Kampfhund? Der doch nicht!“

Liebe Grüße von
Jacky & Manuel,
Pina & Amigo

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